Hans Jürgen Hetterling

Hans Jürgen Hetterling wurde 1968 in Rheinland Pfalz geboren. Die Phantastik war seine erste große Leidenschaft und ist es noch immer. So entdeckte er schon früh die Welt der Bücher, Filme und Bilder, die sich mit diesem Thema beschäftigten. Vor allem das geschriebene Wort übt eine nahezu magische Faszination auf ihn aus und so entdeckte er auch schon ganz früh, zu Schulzeiten, die Liebe zum Schreiben. Die Möglichkeiten, Figuren, Szenen, ganze Welten zu erschaffen, sind so grenzenlos wie die menschliche Phantasie, der Quelle aller Magie. Der Magie des Wortes. Neben seiner Tätigkeit als Autor wirkt er im Lektorat und Korrektorat des MysticVerlag mit.


Veröffentlichungen im MysticVerlag

In eigenen Worten

Geboren wurde ich 1968 im schönen Rheinland Pfalz, in der Stadt mit dem größten Weinfest der Welt. Das sollte für mein Schreiben keine geringe Rolle spielen, und dies nicht etwa des Weines wegen …Veröffentlicht habe ich bisher mehrere Kurzgeschichten in Anthologien und den Roman „Erbe der Alten“. Mein zweiter Roman „Aliana“ wird in Kürze hier im MysticVerlag in zwei Bänden erscheinen.

In meinem Kopf müssen schon seit frühester Kindheit Geschichten herum gespukt sein, die ich zum Erstaunen von Familie, Kindergartentanten und Lehrern zum Besten gab. Erwachsene gehörten damals dann auch zu meinem bevorzugten Publikum. Wenn John Boy Walton in der berühmten Serie der 70er am Ende seiner Episode seinen Block hervorholte, um die Chronik der „Waltons“ aufzuschreiben, orakelte mancher, ich würde als Erwachsener „auch mal so etwas machen“ und hat damit ja auch gar nicht so falsch gelegen.

Doch kehren wir zurück zu unserem Weinfest. Wer mich kennt, weiß um meine Faszination für alles Übersinnliche, Phantastische, Monströse, die sich als roter Faden durch mein Leben und Schaffen zieht. Schaubuden, überhaupt Fahrgeschäfte mit ihrer eigenen Art der Fassadengestaltung, und natürlich die Geisterbahn als das Herzstück der „verkehrten Welt“ der Jahrmärkte üben noch heute eine kaum in Worten zu fassende Faszination auf mich aus.

Da stand ich also nun eines Mittags im September an der Hand meines Vaters vor der Geisterbahn und rief, nach oben zeigend: „Ein Drache mit drei Köpfen!“ Mein Vater erklärte mir, dass das eine Hydra sei und erzählte mir von Herakles und seinen Taten, während mein Blick über die riesige Figur in Quietschrosa, mit bunten Glühbirnen als Augen, und den sich langsam bewegenden Köpfen und all die anderen Drachen und Teufel schweifte. Die erste Liebe meines Lebens war geboren.

Und damals, als es noch ordentliche Spielzeugbuden auf den Festen gab, konnte man sich die Drachen, Dinos, Riesenspinnen etc. auch mit nach Hause nehmen. Meine Sammelleidenschaft für Horrorgestalten en miniature war geboren.

Bald begann ich, die Schaustellermalerei mit den Covern der Groschenromane am Kiosk zu vergleichen. Es sollte noch Jahre dauern, bis ich diese auch lesen durfte, doch sollten sie, neben Superhelden und „Spuk“-Comics, zu meinen ersten Lektüreerfahrungen gehören. Natürlich lagen auch Sagenbücher, griechische, germanische, regionale, auf jedem Gabentisch zu Weihnachten. Gefolgt von Klassikern der Schauerliteratur, wie Frankenstein. Oder Okkultem: Meyrinks „Golem“ habe ich gleich zweimal gelesen. Doch wieder waren es Bilder, optische Eindrücke, die mich selbst zum Schreiben brachten. Die Plakate unseres Provinzkinos.

Anfang der Achtziger schwappte die sogenannte „Ekelwelle“ nach Deutschland. Die ersten harten Zombie- und Kannibalenfilme. Italienische und amerikanische Regisseure versuchten sich gegenseitig an Abartigkeiten zu überbieten. Anschauen durfte ich mir das noch nicht. Aber ich wollte so gern wissen, was in diesen Streifen passierte. Also begann ich die Reklamebilder als eine Art Collage im Kopf zu verwenden und dachte mir selbst Stories dazu aus. Diese waren natürlich unlogischer, aber auch kühner und oft bedeutend brutaler als die Filme selbst, die man sich dann später auf Video anschaute und oft dachte: ‚Naja, hätte ich mir jetzt mehr von erwartet.‘

So fuhr ich eines Abends an einem einzelnen Schaukasten in Richtung Sportunterricht. In der Nähe befand sich ein einzelner Schaukasten des Kinos. Eine fürchterliche Zombiefratze mit schwarzer Kapuze fletschte, zerfließend und schmerzerfüllt, vom Plakat. Ich sah mittels meiner Imaginationskraft förmlich vor mir, wie der Zombie aus dem Plakat stieg und ein Opfer attackierte.
Ich konnte das Ende des Sports kaum erwarten. Zuhause schnappte ich mir ein leeres Schulheft und begann, die Story aufzuschreiben. Ich nannte sie „Das Grauen des Zweidimensionalen“. Sie war mein erstes „Werk“. Eine erwachsene Version davon findet sich in der Anthologie „Horror Cinema Obscura“. Sie bildet auch einen wesentlichen Teil des Romans „Kirche der Dunkelheit“, an dem ich gerade schreibe.

Bei der Erstfassung war ich elf. Viele weitere Stories sollten folgen. Von dem Tag an hörte ich nicht mehr auf zu schreiben. Vor der Anschaffung des ersten Rechners gehörte eine doppelte Din A 4 Seite zu meinem Tagesablauf. Doch erst das Internet mit seinen Ausschreibungen sollte es mir ermöglichen, nicht mehr nur für die Schublade Wörter zu schmieden, sondern für die Leser. Ungefähr zur Zeit meiner ersten Geschichte erlebte ich einige Zustände von Schlafparalyse oder verzögertem Aufwachen, einem nicht krankhaften, aber höllisch unangenehmen Zustand. Mein Interesse begann, sich auf die Welt der jener inneren Bilder, Phantome und Szenerien zu richten, die wir während des Schlafs erleben, und ich schrieb alle Träume auf, die aus der Kindheit und die aktuellen. Es gibt wohl keine unerschöpflichere Quelle der Inspiration für das Schreiben wie jenes nächtliche Kino im Kopf.

Mein Weg führte mich dann in die Welt der (Metal und Gothic)-Musik, wo ich lernte, dass eine E-Gitarre in der eigenen Hand sich wie eine Kreissäge anhören kann und wie leicht es ist, sich schon nach einem Stück heiser geschrien zu haben. Brachialer Black, Death, Doom–Metal, düster und brutal – welch ein passender Ehepartner für das Genre Horror, beide vereint in dem Ziel, Licht ins Dunkel der Schattenseiten menschlicher Existenz zu bringen!

Auch schnappte ich mir Pinsel und Wasserfarben und begann, eher mit Herzblut als handwerklichem Geschick, meine Alpträume zu malen. Studien der Philosophie, Psychologie und Literatur ergänzte ich bald durch mein Interesse an Paranormalem, Okkultem und an Religionen aller Art. Fragen der Natur von Bewusstsein und Realität beantworte ich in meinen Geschichten auf eigene Art.

Zumeist orientiert an Meister H.P. Lovecraft, dem meine besondere Verehrung gilt, sowie an seinem Kreis. Aber auch ohne das große Vorbild Stephen King könnte ich mir kein eigenes Schreiben vorstellen.

Die Rolle des Internet für das Schreiben hingegen kann kaum groß genug veranschlagt werden. Hier endlich, und keineswegs früher, fand ich andere, literatur,-und schreibbegeisterte Köpfe, die mich fordern und fördern, wofür ich jedem Beteiligten in großer Dankbarkeit verpflichtet bin. Die Arbeit an gemeinsamen Projekten ist ein gigantisches Abenteuer und gerne gebe ich etwas von der Unterstützung zurück, die ich erfahren darf.

The Writer writes. Let‘s go on to Future!